Wenn man uns Frauen glauben will, dann sind wir niemals hungrig. Wir leben von kleinen Ms.-Pac-Man-Energietabletten. Wir ekeln uns vor dem Essen, es verursacht uns Juckreiz, Essen ist schmutzig, ich mag eigentlich nur Sellerie. Wenn man uns Frauen glauben will, dann sind wir ätherische Wesen, die nur mit größter Abscheu essen, die vor Ekel die Lippen verziehen, während sie einen Kleinstbissen zwischen den Zähnen haben.
Essen, nur weil es Spaß macht? Wohl kaum!
Hungern ist heutzutage Ausdruck von Weiblichkeit, so wie es die Ohnmacht im vorigen Jahrhundert war.


Eine Dame ißt wie ein Vögelchen. Eine Dame sieht aus wie ein Vögelchen, mit zerbrechlichen Knochen, doch machtvoll im Flug wenn sie sich schwerelos in die Lüfte erhebt.
Wir geben vor, kein Intresse zu haben und lachen. Nachts schleichen wir uns zuweilen in die Küche, das Dreieck des Lichts, das der Kühlschrank auf dem Boden wirft, wir schaufeln uns kalten Braten, Eiscreme, Früchtegelee, Käse in den Mund, schlucken ohne zu kauen (...)

Der Schmerz ist notwendig, insbesondere der Schmerz des Hungers. (...) Tatsächlich mag man den Schmerz....

 

aus: Alice im Hungerland Q

25.2.08 17:09

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen